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Jahnkampf  –  Was ist das eigentlich?       

Der Jahnkampf ist eine Variante der turnerischen Mehrkämpfe. In diesem Mehrkampf sind zusätzlich zum Gerätturnen auch leichtathletische und schwimmerische Disziplinen zu absolvieren. Im Kinder- und Jugendbereich wird der Jahn-Sechskampf angeboten. Es sind (Kür-)Übungen am Boden und Stufenbarren (bei den Jüngeren Reck) zu zeigen, der leichtathletische Teil besteht aus Sprint und Ballwurf bzw. Kugelstoß und im schwimmerischen Bereich sind eine Schwimmart auf Zeit zu schwimmen sowie zwei verschiedene Sprünge vom 1m-Brett (Kunst-/Wasserspringen) zu präsentieren (als Vorbereitung darauf springen die Jüngeren vom Trampolin). Im Erwachsenenbereich erfolgt eine Erweiterung auf neun Disziplinen. Es kommen im Gerätturnen der Sprung, in der Leichtathletik der Weitsprung und im schwimmerischen Bereich das 25m-Tauchen auf Zeit hinzu. Die erzielten Leistungen werden jeweils in Punkte umgerechnet.

Auf Grund der Anforderungen im Gerätturnen ist ein erfolgreiches Abschneiden in den Mehrkämpfen nur mit entsprechender Ausbildung im Turnen möglich. Da für Athleten aus der Leichtathletik bzw. dem Schwimmen die turnerischen Anforderungen "extrem" hoch sind, gibt es praktisch keine Athleten, die sich nach einer Ausbildung in der Leichtathletik oder im Schwimmen erst in späten Jahren die turnerischen Disziplinen erarbeiten. Zusätzlich zur Erarbeitung der Turnelemente sind aber auch die Fertigkeiten und konditionellen Fähigkeiten der nicht-turnerischen Disziplinen zu erlangen. So können teilnehmende "reine" Kunstturner auf Grund der Schwächen in den anderen Disziplinen keine Medaillen bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften erringen.

Mit der turnerischen Herkunft ("Turnvater Jahn") erfolgt auch die organisatorische Einbindung in den Deutschen Turnerbund. Es werden Wettkämpfe auf Ebene der Landesverbände angeboten. Wenn dort bestimmte Qualifikationspunktzahlen übertroffen werden, ist eine Teilnahme an den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften möglich.      

 

Was fasziniert daran so?

Besonderes Merkmal des Jahnkampfes ist seine außergewöhnliche Vielseitigkeit. Häufig gibt es sportartbezogene Mehrkämpfe (z.B. leichtathletischer Sieben- bzw. Zehnkampf), seltener sind sportartenübergreifende Mehrkämpfe wie der Jahnkampf. Vielen dieser sportartenübergreifenden Mehrkämpfen liegen ausschließlich Ausdauerdisziplinen zugrunde (z.B. Triathlon). Der Jahnkampf ist dagegen ein Wettkampf, der eher technische und schnellkraftbezogene Anforderungen stellt. Zudem deckt er die klassischen Kernsportarten Turnen, Leichtathletik und Schwimmen ab. Der Jahnkampf gilt als "Königsdisziplin" der turnerischen Mehrkämpfe.

Als großen Vorteil sehen wir, dass es sich beim Jahnkampf um keine olympische Sportart handelt. Bereits mit einem Trainingsumfang von ganzjährig zweimal pro Woche Turntraining sowie zusätzlich einmal pro Woche Training im Leichtathletikstadion bzw. in der Schwimmhalle von Ostern bis zu den Sommerferien kann die Teilnahme an nationalen Titelkämpfen erreicht werden. Lediglich in den Schulferien trainieren wir mit höherer Intensität, um auch auf nationaler Ebene Erfolge zu ermöglichen.

Auf Grund des moderaten Trainingsumfangs kann als oberstes Ziel die Gesunderhaltung des Körpers beachtet werden. Die vielseitigen Anforderungen im Gerätturnen und in den anderen Disziplinen vermeiden einseitige Belastungen bzw. Überlastungen.

In der Pubertät hören die Mehrkämpferinnen im Gegensatz zu "Nur"-Turnerinnen seltener auf, weil den geringer werdenden Leistungszuwächsen im Gerätturnen Erfolgserlebnisse in den anderen Disziplinen gegenüber stehen. Damit lässt sich die "schwierige" Zeit eher überbrücken. Die Chance auf lebenslanges Sporttreiben ist damit deutlich größer. Ein gesunder und leistungsstarker Körper bewirkt und erhält die Freude am Sporttreiben.

In einem Mehrkampf wird jede Turnerin mit ihren Stärken und Schwächen konfrontiert. Keine Athletin (keine Person) hat nur starke Disziplinen. Außerdem müssen in jedem Wettkampf Höhen und Tiefen ausgehalten werden. Wenn man in einer Disziplin schlecht in Relation zu seinem Leistungsvermögen abgeschnitten hat, gilt es bereits in der nächsten wieder seine Möglichkeiten auszuschöpfen. Dies fordert und fördert entsprechende psychologische Handlungsmuster.

Die Konkurrenzorientierung ist in einem Mehrkampf üblicherweise erheblich weniger stark ausgeprägt als in einer Einzeldisziplin. Man konzentriert sich mehr darauf, sein eigenes Leistungsvermögen optimal auszuschöpfen und sieht erst mit der Endabrechnung seine Leistungen im Vergleich zu den Mitwettkämpferinnen. Auch das lange Zusammensein mit den anderen Wettkämpferinnen bei dem ein- oder zweitägigen Wettkampf fördert eher den Zusammenhalt als Konkurrenzdenken. Im Laufe der Jahre entwickelt sich so etwas wie eine "Jahnkampf-Familie". Zum Abschluss eines Wettkampfs freut man sich gemeinsam, dass man wieder einen so schön(en) anstrengenden Wettkampf erfolgreich absolvieren konnte und hofft auf ein (noch besseres) nächstes Mal.

 

Jahnkampf im TV Konstanz

Die Jahnkämpferinnen des TV Konstanz sind seit vielen Jahren äußerst erfolgreich. Bei den Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften gewannen die Jahnkämpferinnen des TV Konstanz seit 2007 bereits 13 Medaillen (Stand 2017). Auf badischer Ebene wurden bei den Badischen Mehrkampf-Meisterschaften von den Jahnkämpferinnen seit 2004 insgesamt 43 Medaillen-Platzierungen erreicht, davon 25 Badische Meistertitel (Stand 2017). Am Seitenanfang findet sich eine Aufstellung über die bislang erzielten Erfolge ("Titelsammlung"). Außerdem ist auf eine "Bestenliste" verlinkt, in der die jeweils höchste Leistung pro Disziplin aufgeführt ist.      

Bei einer Betrachtung der Ergebnisse der Jahre 2008 bis 2017 im Jahnkampf bei Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften (Platz 1 bis 6 aller sechs Altersklassen im weiblichen Bereich) zeigt sich, dass sich diese 36 Platzierungen pro Jahr auf durchschnittlich 27 Vereine verteilen, d.h. die Top-Platzierungen sind sehr breit gestreut. Aber vier Vereine stechen in diesem Langfrist-Vergleich mit deutlich höheren Werten hervor und einer davon ist der TV Konstanz! Die engagierte Arbeit im TV Konstanz wurde auch vom Badischen Turnerbund lobend hervorgehoben.